4. Herisauer Sport-Forum

«Alle Vereine sitzen im gleichen Boot»

Gegen hundert Personen besuchten am Mittwoch, 31. Oktober 2012, das 4. Herisauer Sport-Forum im Cinétreff in Herisau. Thema des Abends war: "Der Sportverein: Hoffnungsträger oder Auslaufmodell?". Referenten waren Max Stierlin, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Sport, Doris Ramsauer, Präsidentin Satus Herisau, und Andreas Alther, Leiter Soziale Dienste der Gemeinde Herisau. 

 

Unter den Gästen weilten unter anderen Gemeindepräsident Paul Signer, Willi Alder, Leiter Amt für Sport der Gemeinde Herisau, Peter Abegglen, Präsident Appenzellischer Turnverband, und Erich Brassel, Leiter Fachstelle Sport AR. Moderator war Lukas Pfiffner. 

 

Ein Auslaufmodell ist der Sportverein nicht, dies wurde anhand der Ausführungen der Referenten klar. Er sieht sich aber mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Max Stierlin verdeutlichte, dass die Kinder immer früher in den Sportverein eintreten. Die Verweildauer ist im Durchschnitt aber bloss 2,2 Jahre. Eine Umfrage von Stierlin im Auftrag der Fachstelle Sport AR und der IG Sport Region Herisau an der Oberstufe Herisau zeigt denn auch, dass über die Hälfte der Kinder mindestens einmal den Verein gewechselt hat. 

 

Das immer frühere Anwerben der Kinder durch die Vereine kritisiert Stierlin. "Es werden Angebote für Kinder geschaffen, die gar nie geboren werden", sagte er angesichts der sinkenden Geburtenzahlen. Eigentlich, so der wissenschaftliche Mitarbeiter, müsste der Kindersport bei den Buben dem Fussballverein und bei den Mädchen dem Turnverein überlassen werden. Sie sind die Einfallstore Nummer 1 in den Sport. Er ermunterte die Vereine dazu, das Konkurrenzdenken zu überwinden. Denn: "Die Vereine hocken alle im gleichen Boot", so Stierlin.

 

Zunehmend von Bedeutung ist der Seniorensport. Hier liegt für viele Vereine ein interessantes Entwicklungsgebiet. 

 

Stierlin führte weiter aus, dass der Leistungsgedanke überschätzt wird. Untersuchungen zeigen, dass ganz andere Faktoren über den Verbleib im Verein entscheidend sind: Kultur, Ambiente, Qualität. Er warnte auch davor, zu stark zu selektionieren. Weil sich erstens jeder frage, wann er über die Klinge springen müsse (also hört er lieber auf). Und zweitens, weil die Kameradschaft und das soziale Netz von hoher Bedeutung seien. Kinder und Jugendliche möchten nicht immer umgetopft werden. 

 

Doris Ramsauer berichtet als Präsidentin aus dem Alltag ihres Vereins. Der Satus zählt 10 Riegen und 230 Mitglieder. Jedes Jahr steht eine Teilnahme an einem Turnfest auf dem Programm. Weitere Aktivitäten sind manchmal schwierig zu planen. "Die Mitglieder entscheiden heute viel kurzfristiger, weil ihnen viele Alternativen zur Verfügung stehen." Nach bald zehn Jahren Vorstandstätigkeit hat sie sich längst damit abgefunden.

 

Andreas Alther verteilte derweil Blumen. In Herisau würden die Kinder im Sport sehr gut gefördert, sagte er. Ganz wichtig sei ihm, dass auch unterprivilegierte Kinder im Verein mitmachen können. Er bot an, zusammen mit der IG Sport sich einmal vertieft Gedanken zu machen, wie diese Leute noch besser angesprochen werden können. Dölf Alpiger, OK-Chef der Herisauer Sporttage, machte nämlich klar, dass es schwierig sei, diese Kinder zu erreichen. Flyer scheinen kein taugliches Mittel zu sein. 

 

Apropos Sporttage: Max Stierlin lobte dieses Angebot der IG Sport ausdrücklich. Hier hätten die Kinder die Möglichkeit, verschiedene Sportarten auszuprobieren und das richtige für sich auszusuchen. 

 

Während und nach den Referaten entwickelte sich eine interessante Diskussion. Beispielsweise darüber, ob die Verbände die Vereine in ihrer Tätigkeit eher unterstützen oder behindern. Fazit: Die Bürokratie hat leider auch die Verbände erreicht. Was früher auf einigen Blättern Platz hatte, füllt heute ganze Ordner. 

 

Das 4. Herisauer Sport-Forum darf als Erfolg bezeichnet werden. Der Besucherzuspruch war trotz vieler Konkurrenzveranstaltungen beachtlich. Zudem ist es Organisator Michael Stern erneut gelungen, interessante Referenten zu organisieren. Mit ihnen steht und fällt das Forum. Einziger Wermutstropfen war ein technisches Problem mit dem Beamer des Kinos. 

 

Aber wie fasste IG-Präsident Peter Schmid den Abend zusammen: "Wir müssen uns auf die Stärken fokussieren und nicht auf die Schwächen." Stärken hat die Sportlandschaft in Herisau und der Region ganz viele. Ein Auslaufmodell ist der Sportverein also mitnichten - ein Hoffnungsträger aber schon! 


Powerpoint-Präsentationen der Referenten

Sportforum Herisau_ReferatStierlin.pdf
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Sportforum Herisau_Referat Ramsauer.pdf
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Medienbericht auf appenzell24.ch

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Der Sportverein: Hoffnungsträger oder Auslaufmodell?
Die Basis der schweizerischen Sport-Pyramide bilden die Sportvereine. Hier findet ein grosser Teil des Breitensports statt, hier finden zukünftige Olympiamedaillengewinner «ihre» Sportart, erhalten ihre Basisausbildung, werden entdeckt, gefördert. Auf der anderen Seite drängen profitorientierte Unternehmen auf den Markt, Vereine haben Mühe, das – freiwillige – Personal zu rekrutieren, der Individualsport blüht. Hat der Sportverein eine Zukunft? Sind im Nachwuchsbereich
bereits Gegentrends auszumachen? Wie können die Sportvereine auch
zukünftig die vielschichtigen Aufgaben innerhalb der Gesellschaft wahrnehmen?

 

Diese Fragen werden anlässlich des 4. Herisauer Sport-Forums von Fachleuten erörtert und mit dem Publikum diskutiert.

 

Programm
19.00 Uhr, Begrüssung, Einführung: Moderator Lukas Pfiffner
19.10 Uhr, 1. Referat: «Tatsachen/Zahlen & Fakten», Dr. Max Stierlin,
wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Sport
19.30 Uhr, 2. Referat: «Der Sportverein lebt! Strategien zur Markttauglichkeit», Doris Ramsauer, Präsidentin SATUS Herisau
19.50 Uhr, 3. Referat: «Vom Wert des Sportvereins», Andreas Altherr, Abteilungsleiter Soziales, Gemeinde Herisau
20.10 Uhr, Diskussion, Moderator, Referenten, Publikum
20.45 Uhr, Schlusswort, Dr. Peter Schmid, Präsident IG Sport
anschliessend Apéro

 

Zielgruppe:
• Mitglieder von Sportvereinen
• Politiker, Mitarbeitende der Verwaltung
• Intressierte Bevölkerung

 

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig.